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2003 – Nov – Steve Skaith / Nachlese

Begeisternde Popmusik mit mexikanischem Flair


Ein Weltstar aus den 80ern war im Land Hadeln – aber die meisten verpassten den denkwürdigen Sonntag abend in der nur halbgefüllten Hemmoorer Kulturdiele. Die, die da waren, erlebten eines der besten Konzerte in der langjährigen Geschichte des Culturkreises Hemmoor.
Steve Skaith versetzte mit der zumeist warmen eindringlichen Präsenz seiner begnadeten Stimme und der heiteren Ernsthaftigkeit seiner Persönlichkeit die Anwesenden spätestens nach dem zweiten Song in eine andere Sphäre – musikalisch harmonisch, sehr melodiös, manchmal auch treibend druckvoll mit rockigeren Tönen und dabei textlich doch immer an den fundamentalen Dingen und Problemen der Welt orientiert. Dabei gab es eine ganze Reihe von musikalischen Perlen wie das legendäre „Radio Africa“ zu genießen, in denen ernsthafte Themen – man kann auch von politischen Botschaften sprechen – meisterhaft im Sinne eines klassischen Songwriting in einen sonnig flirrenden Klangkörper verpackt werden.
Der Brite Steve Skaith, dessen neueste Veröffentlichung mit „Mexile“, einem Kunstwort aus Mexiko und Exil betitelt wurde, ist nach seinem Rückzug in das südliche Nachbarland der USA wieder bei sich selbst angekommen und geht mit seiner neuen exzellenten Band, die er sehr sorgfältig aus zwei sehr jungen Mexikanern und dem Produzenten und Allrounder Javier Gàmiz zusammengestellt hat, musikalisch wieder in die Offensive. Nach 17 Konzerten – das Hemmoorer war das letzte ihrer ersten Europa-Tournee – wirkte das Quintett unheimlich aufeinander abgestimmt und ließ die alte Latin Quarter-Besetzung vergessen, obwohl ein beachtlicher Teil des zweistündigen Konzertes aus den Highlights der Latin Quarter-Ära stammte.
Die Band, die neben Skaith und Gàmiz aus Beto Tenorio (Bass) und Ricardo Serrano (Drums) besteht, legte um Skaiths warmen Gesang einen lebendigen rhythmischen Teppich, gewebt mit zwei akustischen Gitarren, Bass und Drums, auf dem die begeisterten Zuhörer einfach mitswingen mussten. Viele der alten und neuen Songs stammen aus der Feder von Mike Jones – so auch der heimliche Hit von 1988 „Swimming against the stream“. Skaith hat bei aller Ernsthaftigkeit aber auch den Schalk im Nacken, wenn es in einem anderen Titel darum geht, das andere Mütter auch schöne Töchter haben. Instrumentale Höhepunkte waren die perkussionistisch verstärkten kleinen mexikanischen und venezuelanischen Gitarren des Javier Gàmiz mit für uns fremden Namen wie Cuato und Venezuelano, seine Kunst der akustischen Gitarre sehr differenzierte träumerische Slideklänge zu entlocken, ein angenehm spielerischer nie aufdringlicher treibender Bass und ein einfühlsames, teilweise mit dem Besen bearbeitetes Schlaginstrument. Radio Africa geriet zu einer mitreißenden improvisierenden Reggaeversion, bei der mancher wohl auch eine Träne an die vergangenen (Jugend-)Zeiten wegdrückte und auch die neuen Ohrwürmer wie „Believe in Miracle“, „Lucky Man“ und „So far from God, so close to America“ – einfach, aber nie schlicht – waren deutlich mexikanisch angehaucht und machten deutlich, wie schön ein einfaches „Nanana“ doch präsentiert werden kann.
Das sehr aufmerksame Publikum belohnte die Musiker immer wieder mit begeistertem Applaus. So gab es zum guten Schluss noch drei Zugaben, eine abgefahrene zickige Version von „Norwegian Wood“ (Beatles), einen bitteren Song über das unaufgeklärte Schicksal von dreihundert mexikanischen Kindern und Frauen und den Lovesong „Miracle for Beginners“, wohl symbolisch für seine jetzige Lebensphase. Steve Skaith und Band haben das anwesende Hemmoorer Publikum mit ihrer natürlichen Performance und meisterhaften Musik und sich selbst mit dem dankbar warmen Feedback des Auditoriums glücklich gemacht.
Bleibt nur zu hoffen, dass das Quintett irgendwann noch einmal wieder in Hemmoor auftaucht – und die, die vielleicht wegen der vielen anderen Veranstaltungen am ersten Adventswochenende nicht dabei waren, noch einmal Gelegenheit bekommen, diesen Weltmusiker erleben zu dürfen.

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