2001 – Oktober – LeClou

Hemmoorer Publikum feierte jedes Stück der Folk-Rocker frenetisch

„Le Clou“ war ein Highlight des Konzertjahres 2001/2002


(gn) Das war tatsächlich eine ganz eigene Mischung verschiedener populärer Stilrichtungen, die Le Clou am vergangenen Samstag in der Hemmoorer Kulturdiele dem restlos begeistertem Publikum bot. Le Clou hatte an diesem Abend keine Mühe, die Vorschusslorbeeren in der Ankündigung des Konzertes zu rechtfertigen. War es nun Cajun, Zydeco, kreolischer Rhythmus, bretonische Folklore, Blues, Folkrock oder französisches Chanson oder manchmal fast eine volkstümliche Polka? Sicher von allem ein wenig und doch eine ganz eigene Melange, die ihren unverkennbaren Stil ausmacht. Das Hemmoorer Publikum war jedenfalls so angetan wie seit langem nicht mehr.

Abgesehen von den frustrierten z.T. von weither Angereisten, die wegen Überfüllung der Kulturdiele abgewiesen werden mussten (der Culturkreis bedauert dies sehr), war es für alle anderen ein denkwürdiger Abend. Jedes Stück der Folk-Rocker wurde frenetisch gefeiert, die typische Anwärmzeit des Publikums entfiel. Obwohl die Kulturdiele einmal wieder „ausgestuhlt“ worden war, nutzten die am Rande Stehenden den minimalen Platz, um je nach Rhythmus mehr oder weniger intensiv mitzuswingen. Der singende Frontman Michel David formulierte es treffend. Die Musik ist die Sprache, die alle Menschen verbindet. Und die Begeisterung der französischen Troubadoure sprang auf alle Altersklassen des bunt gemischten Publikums über.

Johannes Epremian führte mit seiner einfühlsamen Moderation durch die Geschichte der bretonischen Auswanderer, die sich in den Liedern des Quintetts widerspiegelt. Die Prunksucht des Königs Ludwig zwang die einfache Bevölkerung im 17. Jahrhundert, ihr Heimatland zu verlassen. Über Kanada gelangten sie nach ihrer Vertreibung durch die Briten nach Louisiana, wo sie sich schließlich ansiedelten und ihren eigenen Lebensstil zu bewahren versuchten, der sich u.a. auch in der Cajun-Musik ausdrückte. Der druckvolle „Südstaaten-Sumpf-Rock’n’Roll“ von Le Clou hat seinen Ursprung in den Tanzschuppen Louisianas. Cajuns wurden die Nachfahren der bretonischen Auswanderer („Acadians“) genannt. Im Verlaufe des Programms stellten sie auch illegale Begebenheiten wie die Whiskeybrennerei und dem Bankraub vor.

„Le Clou“ ist seit fast zwei Jahrzehnten auf der europäischen Konzert- und Festivalszene etabliert. Hörfunk- und TV-Produktionen zeigen ebenso ihren Erfolg wie die zweimalige Auszeichnung mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. Alle spielen seit frühester Jugend mindestens ein Instrument. MICHEL DAVID, der charmante Chanteur aus Paris spielt Gitarre und Geige. Außergewöhnlich ist sicher der Einsatz eines tragbaren Waschbretts (frottoir), das er als seinen Waschbrettbauch einführte. YVES GUEIT, der ruhige Fels in der Brandung, stammt aus Toulon, Seine Großmutter war Geigerin. Er setzte an diesem Abend neben seiner Stimme zwei Cajun-Akkordeons, viele Flöten, Saxofon und Klarinette ein. Besonders imponierend war seine Vielfältigkeit, das gleichzeitige Spielen von zwei Flöten und sein bluesiger Einsatz des Akkordeons. JOHANNES EPREMIAN führte auf Deutsch (das übrigens alle Musiker hervorragend sprachen) durch den Abend. Er wurde in Freiburg geboren und hat einen armenischen Vater und eine deutsche Mutter, die beide professionelle klassische Musiker waren. Er genoß mit vier Jahren schon eine klassische Geigenausbildung. Der Schalk der Truppe sauste über die Saiten seiner Fiddle, spielte solistisch Gitarren, Dobro, und E-Gitarre. Die Stimmungen wechselten dabei zwischen hartem Bluesrocksoli und elegischen Anklängen an Dire Straits‘ Mark Knopfler. Live und im Studio wird das Trio von dem hervorragenden Bassisten Gero Gellert und dem druckvollen Ralph Schläger am Schlagzeug begleitet.

Besonders eindrucksvoll war es, während des Konzertes das blinde geniale Zusammenspiel zu beobachten, bei dem jeder der drei Frontmen drei Instrumente oder mehr abwechselnd meisterlich einsetzte. Kein Wunder, denn der Kern der Truppe feierte kürzlich 25jähriges Bühnenjubiläum. Besonders bewegend waren die Balladen und Instrumentals, in denen die Musiker Meersrauschen und Möwengeschrei verblüffend mit Halleffekten auf ihren Instrumenten nachahmten und eine dichte, intensive musikalische Stimmung erzeugten.

In der Pause fanden die sieben CDs, die die Truppe bisher produzierte, reißenden Absatz und als Michel David nach fast zwei Stunden das Ende des Konzertes ankündigte, klatschte man die unheimlich sympathischen Künstler noch einmal für zwei Zugaben auf die Bühne. Wie vom Culturkreis zu erfahren war, soll dieser Auftritt nicht der letzte gewesen sein. Die Band war auch vom Publikum begeistert und wird im Herbst 2002 erneut nach Hemmoor kommen. Nur wird man dann wohl nach einem größeren Veranstaltungsort Ausschau halten müssen, damit alle, die diese wunderbare Musik hören wollen, auch Gelegenheit dazu haben. Und die Möglichkeit zum Tanzen soll dann auch geschaffen werden!

Hans-Jürgen Goeman

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